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TMR, Telekommunikation Mittleres Ruhrgebiet

Wirtschaft im Revier / Nachrichten der Industrie und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet Ausgabe 10/2011

01.10.2011

IPv6 - Mehr Raum im Internet

TMR IPv6 Bild

Neues System bringt Vorteile für Unternehmen mit sich

„Das Internet? Gibt es diesen Blödsinn immer noch?“ Die Frage der berühmten Comicfigur Homer Simpson kann eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden – auch in der Zukunft. Zwar erreicht die Anzahl der benutzten IP-Adressen mit dem bewährten System – genannt IPv4 – ihr Limit, vereinfacht gesagt ist das Internet quasi „voll“ – wie eine Stadt, die so groß geworden ist, dass ihr die Kfz-Kennzeichen „ausgegangen“ sind. Doch mit IPv6 steht der Nachfolger schon bereit – und das neue System bietet nicht zuletzt für Unternehmen deutlich mehr als nur eine immens große Anzahl möglicher IP-Adressen.

Der Hintergrund: Jedem Gerät oder Netzwerk, das ans Internet angeschlossen ist, wird mindestens eine IP-Adresse zugewiesen. Durch diese werden die Geräte erreichbar. Mithilfe der IP-Adresse können, vereinfacht gesagt, Daten vom Absender zum vorgesehenen Empfänger transportiert werden. Das etablierte Internet Protocol Version 4, kurz IPv4, bietet einen Adressraum von über 4,3 Milliarden Adressen. In den frühen Zeiten des Internets galt diese Anzahl als vollkommen ausreichend. Doch durch die rasante Ausbreitung, vor allem auch durch die enorme Zunahme von mobilen Endgeräten in den vergangenen Jahren, ist mittlerweile die Grenze erreicht. Seit Jahren wird daher bereits am Nachfolger IPv6 gearbeitet. Er bietet eine Vergrößerung des Adressraums von 4,3 Milliarden (IPv4) auf 340 Sextillionen. Zum Verständnis: Eine Sextillion ist eine 1 mit 36 Nullen. Laut dem Verband der deutschen Internetwirtschaft ECO besteht künftig keine Gefahr mehr, dass erneut die IP-Adressen ausgehen: „Das neue Format stellt 340 Sextillionen Adressen bereit – das sind 600 Billiarden Adressen auf jeden Quadratmillimeter der Erdoberfläche“.

Genug der Zahlen. Viel wichtiger ist, dass das neue IPv6-Protokoll nicht kompatibel mit dem etablierten IPv4 ist. Für die Anwender – sowohl gewerbliche als auch private – wie auch für die Netzbetreiber und Internetdienstanbieter bedeutet dies, dass es keine „harte“ Stichtagumschaltung vom bekannten IPv4 zum neuen IPv6 geben kann, denn sämtliche Geräte, Prozesse und Produkte auf Anbieter- und Kundenseite müssen das neue Protokoll unterstützen: Firewalls, Router, Webserver, Mailserver und vieles mehr. In den nächsten Jahren werden wir mit einem zunehmenden Parallelbetrieb von IPv4 und IPv6 auf allen Netzebenen vom Anwender bis zum Diensteanbieter konfrontiert sein, wobei die Bedeutung von IPv6 kontinuierlich ansteigen und IPv4 langfristig verdrängen wird. Vor diesem Hintergrund gilt somit die Einführung von IPv6 als zusätzlichem Protokoll unter Beibehaltung des vorhandenen IPv4-Ökosystems als Gebot der Stunde. Eine vollständige Umstellung im Sinne von „IPv4 aus, IPv6 an“ wird in den meisten Fällen derzeit nicht zur Debatte stehen. Und spätestens an dieser Stelle wird es auch für Unternehmen interessant. Zwar ist die Einführung von IPv6 für diese zunächst mit einigem Aufwand und gegebenenfalls auch mit Investitionen verbunden, doch das neue Protokoll bietet auch zahlreiche geschäftliche Vorteile. Dazu gehören nicht nur die Möglichkeiten einer verbesserten Automatisierung, Produktivität und Effizienz. Der nahezu unbegrenzte Adressraum und erweiterbare Strukturen ermöglichen die Integration neuer Funktionen und die Erschließung neuer Geschäftsfelder.

Diese bietet beispielsweise das sogenannte „Internet der Dinge“. Ein Beispiel gefällig? Zukünftig können auch geeignete Haushaltsgeräte mit einer IPv6-Adresse versehen und direkter vernetzt werden. So erhält der Anwender eine Nachricht auf sein Mobiltelefon, falls im Kühlschrank gähnende Leere herrscht und auf dem Rückweg von der Arbeit dringend noch einige Lebensmittel einzukaufen sind. Oder der heimische PC bestellt im Falle einer leeren Druckerpatrone selbstständig Nachschub über die Internetseite des Herstellers. Von der IPv6-Einführung können Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen profitieren – Telekommunikation, Transport und Logistik, Unterhaltung uvm.

Christina Wolf-Allweins,
TMR-Telekommunikation
Mittleres Ruhrgebiet GmbH