Zur Unternavigation springen. Zum Inhalt springen.

TMR, Telekommunikation Mittleres Ruhrgebiet

ener.go 2/2014

WELTWEIT

Bild Presse

Das Datenvolumen, das durch weltweite Computernetzwerke transportiert wird, verdoppelt sich etwa alle zwei Jahre. Bis 2020 dürfte es auf jährlich 40 Zettabytes anwachsen – eine Zahl mit 21 Nullen.

Immer mehr Unternehmen lagern klassische IT-Aufgaben in die Cloud aus. Das schafft Flexibilität und spart Geld – solange ein paar Sicherheitsregeln beachtet werden.

Die Rechenleistung aus der Ferne findet sich in Anwendungen wie Google Apps oder Microsoft Office 365, die nicht mehr wie früher als Software auf dem PC installiert sind, sondern über das Internet aufgerufen werden. Cloud-Computing ist der Überbegriff für diese und viele andere IT-Leistungen, die sich mittlerweile auslagern lassen: entweder in ein unternehmens- und organisationseigenes Intranet, die Private Cloud, oder – wie bei Google Apps, Dropbox oder Flickr – ins öffentliche Internet, die Public Cloud. Neben der Rechenleistung sind heute auf diesem Weg vor allem Speicherplatz und Software beziehbar. Möglich wurde das vor allem durch den technischen Fortschritt bei den Übertragungswegen, dessen Folgen ein gewisser Eric Schmidt schon vor 20 Jahren voraussah: „Wenn das Netzwerk so schnell wie der Prozessor wird, wird der Computer ausgehöhlt und über das Netzwerk verteilt.” Heute ist Schmidt Executive Chairman von Google – einer der Firmen, die maßgeblich am weltweiten Cloud-Boom beteiligt sind.

Tausende Kilometer liegen zwischen der Rechenaufgabe und dem Ergebnis. Der Monitor in einem beliebigen Büro in Herne, Witten oder Bochum zeigt das Gitternetz eines Tabellenkalkulations-Programms an. Dann Ziffer für Ziffer die Zahlen, die der Mensch am PC eingibt. Und schließlich die Summe oder was sonst der Nutzer ermitteln wollte. Dass die Rechenoperation gar nicht vom PC erledigt wurde, spürt der Anwender nicht. In Sekundenbruchteilen ist die Formel in eine riesige Serverfarm in Kalifornien oder anderswo auf der Welt gereist, wo sie bearbeitet und das Ergebnis ebenso schnell zurück auf den Monitor im Ruhrgebiet geschickt wurde.

Bild Presse

Auch in Deutschland macht sich dieser Boom immer stärker bemerkbar. Laut einer aktuellen Studie des Hightech-Verbandes Bitkom nutzten 40 Prozent der Unternehmen im Jahr 2013 Cloud-Computing, und damit trotz NSA-Affäre drei Prozentpunkte mehr als 13 im Vorjahr. Nahezu Standard ist die Technologie für Großunternehmen, die zu 70 Prozent Cloud-Computing einsetzen, während die Quote bei Firmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern erst bei 37 Prozent liegt. „Der Mittelstand hat beim Einsatz von Cloud-Lösungen Aufholbedarf“, sagt dazu Bruno Wallraf, Leiter des Bereichs Technology bei der Beratungsgesellschaft KPMG, und verweist auf die vielen Vorteile der Datenwolken-Nutzung.

Letztere lassen sich vor allem mit den Schlagworten Flexibilität, Skalierbarkeit und Kostenersparnis zusammenfassen. Über die Cloud sind Geschäftsdaten und Anwendungen theoretisch von überall und auf jedem Endgerät – ob PC oder Smartphone – abrufbar. Dass keine eigene Hard- und Software gekauft, sondern nur die gerade benötigten Kapazitäten gebucht werden, erhöht einerseits die Kosteneffizienz. Andererseits können Unternehmen so immer auf die neueste Technik zugreifen und ihre IT stufenlos mit der Firma wachsen lassen (skalieren). Auch der Bochumer Informatikprofessor Jörg Schwenk, Inhaber des Lehrstuhls für Netz- und Datensicherheit, sieht diese Vorzüge – und fügt ihnen noch den Schutz gegen Datenverlust und Angriffe auf die eigene IT-Infrastruktur hinzu. Zugleich betont der Wissenschaftler, dass den Vorteilen auch Risiken
gegenüber stehen: „Angreifer können die gleichen öffentlichen Schnittstellen nutzen, über die auch die Firma selbst auf ihre Daten zugreift“, sagt er und verweist auf das häufige Fehlen von Firewalls und abgegrenzten geschützten internen Netzbereichen.

Schwenk empfiehlt Firmen deshalb, sich bewusst zu überlegen, welche Daten sie in die Cloud auslagern: Große Datenmengen ließen sich dort sehr gut verarbeiten, während konkrete Geschäftsgeheimnisse besser in der Firma verblieben. Außerdem tüfteln Schwenk und seine Kollegen an der Ruhr-Universität Bochum an einem Verfahren, das Cloud-Computing sicherer macht: Dabei werden die in der Cloud gespeicherten Daten mit einer digitalen Schutzhülle versehen. Mit dieser Verschlüsselung lassen sie sich dort zwar verarbeiten, aber nicht ausspähen: „Ein Angreifer, der in die Cloud einbricht, kann mit den erbeuteten Daten nichts anfangen, da die Schlüssel zur Entschlüsselung nicht in der Cloud liegen“, erklärt Schwenk die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Technologie.

Bild Presse

Wer schon heute hundertprozentige Sicherheit anstrebt, kann statt der öffentlichen Cloud die Housing- und Hosting-Angebote der Telekommunikation Mittleres Ruhrgebiet (TMR) nutzen. Hier können Unternehmen ihre Server ins hochgeschützte TMR-Rechenzentrum auslagern und dafür Fläche je nach individuellem Bedarf mieten. Der Datenaustausch vom Server in die Firma läuft sicher über schnelle, speziell geschützte Leitungen. Über diese Infrastruktur lässt sich auch eine private Cloud einrichten – quasi die regionale Version der weltweiten Wolke.