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TMR, Telekommunikation Mittleres Ruhrgebiet

ener.go 1/2015

Breitband statt Schmalspur

Breitband statt Schmalspur

Die Digitalisierung unserer Welt durchdringt mittlerweile alle Lebensbereiche. Der Ausbau des dafür benötigten Datennetzes kommt kaum hinterher. Für viele Unternehmen in der Fläche bleibt das Internet vor allem eines: zu langsam.

Gerade 20 Jahre ist es her, dass Microsoft-Gründer Bill Gates eine Fehleinschätzung kundtat, für die er bis heute den Spott der Netzgemeinde erntet. „Das Internet“, verkündete der Herr über Windows und Office im Jahre 1995, „ist nur ein Hype.“ Fast mag man es ihm nachsehen, denn was heute an Technologie und Möglichkeiten gang und gäbe ist, war damals für viele Experten nicht vorhersehbar. Die Konzerne waren schon froh, wenn die Menschen die Technikhürde übersprangen und dem Tennisstar Boris Becker nacheiferten. Der gab den Anti-Nerd in einem immens erfolgreichen Werbespot für den Internetprovider AOL und nahm mit seinem lakonischen „Hä, bin ich da schon drin, oder was?“ die Menschen mit auf die ersten Reisen ins World Wide Web.

Breitband

Es fiepte und zischte, wenn Modems über die Telefonleitung die Verbindung herstellten und Verbindungsgeschwindigkeiten von maximal 56 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) aufnahmen. Aus heutiger Sicht ist das unfassbar langsam, und auch die Einführung von ISDN (bis zu 128 Kbit/s) linderte die Tempo-Misere im Netz kaum. Video-on-Demand? E-Mail-Anhänge von mehreren Megabyte? Software aus dem Internet laden? Internetshops mit hochwertiger Grafik und Produktvideos? Musik streamen? Das alles ging gar nicht, und es kam auch niemand auf die Idee, solche Services ernsthaft anzubieten. Die Datengeschwindigkeit war zu dürftig – „Schmalband“ eben.

Doch die Internetwirtschaft ruhte nicht, auch nicht, nachdem die Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre geplatzt war. Die Investoren und die Ideen kamen und gingen, und das Internet dehnte sich aus wie das Universum nach dem Urknall. Immer neue Angebote und Webdienste wurden geboren, und das Bedürfnis nach Geschwindigkeit wuchs stetig. Mit der Einführung von DSL zu Beginn der 2000er-Jahre wurde das Internet, dank höherer Übertragungsfrequenzen ab einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s), „breitbandig“ – und blieb doch vielen Privatnutzern und vor allem Unternehmen bis auf den heutigen Tag zu langsam.

energo 1/15

Es fehlt an Netzkapazitäten, was Dr. Hermann Rodler, Managing Director bei Nokia Networks und Präsidiumsmitglied der „Initiative D21“, so begründet: „Der Netzausbau rentiert sich für die Netzbetreiber nur dann, wenn sie für wesentlich schnellere Anschlüsse auch entsprechend mehr erlösen können. Das war aus verschiedenen Gründen nicht gegeben.“

Für die Telekommunikation Mittleres Ruhrgebiet (TMR) hat das Zögern der überregionalen Netzbetreiber eine Marktlücke aufgetan, die das Unternehmen bereits seit der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre konsequent bearbeitet. „Der Breitbandausbau rumpelt hinterher“, analysiert TMR-Vertriebsleiter Jörg Borowycz und wundert sich, auf welche Zustände er teilweise bei den Kunden trifft: „Die Anforderungen an Übertragungsgeschwindigkeiten sind explosionsartig gestiegen. Bildgebende Verfahren, Videos und so weiter benötigen sehr viel Bandbreite. Internetauftritte und -shops erzeugen ein riesiges Datenvolumen. Man denke nur an Architekten, die ihre Zeichnungen per E-Mail verschicken. Bei manchen dauert das ewig.“

Rodler, Borowycz

Während die TMR gemeinsam mit den Stadtwerken im Mittleren Ruhrgebiet ordentlich Tempo auf die Leitung bringt, sieht es vor allem in ländlicheren Gebieten weniger gut aus. Viele Haushalte und Firmen müssen hier nach wie vor mit dem Schmalspur-Netz leben. Kein Wunder also, dass die Bundesregierung als Ziel ausgegeben hat, bis 2018 für alle Haushalte Internetanschlüsse mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s zu schaffen. Dafür schichtet die öffentliche Hand jetzt Finanzmittel um und fördert den Breitbandausbau mit Milliardenbeträgen.
Ob die Punktlandung zur flächendeckenden Versorgung möglich ist? „Selbst im Technologiemix mit Glasfaser, Kabel, Kupfer und Mobilfunk ist das Ziel schwierig zu erreichen“, sagt Rodler. „Unmöglich ist es aber nicht.“